Das gröbste Organisatorische hatten wir hinter uns gebracht und damit war es an der Zeit eine fixe Bleibe für das ganze Jahr zu suchen. Das war allerdings schwieriger als gedacht.
Die Schwierigkeit beginnt schon einmal bei der russischen Art zu Wohnen. Besonders im Zentrum Krasnodar gibt es kaum Wohnungen mit zwei getrennten Schlafzimmern. Die Russen sprachen zwar immer von zwei "Schlafplätzen" aber das war meist nur eine ausziehbare Schlafcouch im Wohnzimmer und ein Schlafzimmer. Wie dort Familien mit Kinder leben sollten, ist uns bis heute ein Rätsel. Da wir hier ein ganzes Jahr verbringen und somit auch einmal unsere Privatsphäre haben wollen, war uns klar, dass wir auf zwei getrennte Schlafzimmer nicht verzichten können und wollen. Noch von Österreich aus hatten wir eine Agentur (mit guten Online-Bewertungen) gefunden und ihnen unsere Suchkriterien mitgeteilt. Da wir einerseits Studenten sind und der Preis somit auch eine Rolle spielt und wir andererseits aber in einem sicheren, sauberen Viertel wohnen wollten (vorzugsweise im Zentrum), wurde die Auswahl an möglichen Wohnungen immer kleiner.
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| Элитные дома (Elitehäuser) |
In Krasnodar gibt es einen sogenannten "элитный район" (Eliteviertel). Interessehalber haben wir uns auch dort Wohnungen angeschaut. Interessanterweise schauten die Wohnblöcke nicht viel schöner aus, als unsere Standard-Neubauten. Im Inneren waren sie zwar schöner und teurer eingerichtet aber auch nicht so, dass es für europäische Verhältnisse als "Elite" beschrieben werden könnte. Man merkt also auch bei der Elite den wirtschaftlichen Unterschied. Dennoch ragt zwischen diesen Elite-Russen und den Standard-Russen ein riesige Kluft. Man sagte uns, dass wir Vorteile hätten, wenn wir sagen könnten, dass wir in diesem Viertel wohnten. Welche Vorteile genau, das wissen wir bis heute nicht. Man sei eben angesehener. Trotzdem wollten wir nicht in diesem Viertel wohnen. Erstens waren die Mieten teurer und zweitens fühle man sich unter den ganzen "Eliten" fehl am Platz.
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| Wohnungssuche. Maria, Jara und vorn der Makler. |
Die Suche nach einer passenden Wohnung musste also weitergehen. Besonders zu erwähnen sei hier noch die Geduld und Nettigkeit der Makler. Österreichische Agenturen verlangen meist zwei Monatsmieten, die Agentur hier dagegen nur die Hälfte einer Monatsmiete (führte uns aber einen ganzen Tag lang mit ihrem Auto quer durch die Stadt!). Was also den Service angeht, so kommen österreichische Makleragenturen bei weitem nicht an die russischen heran. Hinzu kommt, dass wir bei dieser Agentur die Garantie haben, dass sie sich weiterhin um uns kümmern. Wenn etwas mit der Wohnung oder der Vermieterin nicht passt, können wir uns jederzeit bei ihnen melden und sie werden vermitteln.
Insgesamt besichtigen wir innerhalb eines Tages acht Wohnungen (bis 22.00!) - danach waren wir fix und fertig. Aber die letzte Wohnung war dann endlich "unsere" Wohnung - im 9. Stock eines 10-stöckigen Hauses im Zentrum mit einem super Blick auf die Stadt (und leider auch auf die massenhaft vorbeifahrenden Autos :D).
Zwei Tage später konnten wir schon einziehen. Der Makler und seine Mitarbeiterin holten uns am Vormittag mit ihrem Auto ab, halfen uns die Koffer einzuräumen und brachten uns zur Wohnung - was für ein super Service! Dort gaben sie uns zum Glück alle Zeit der Welt um die zwei russischen Verträge - Vertrag mit Agentur und Mietvertrag - durchzulesen (oh ja, wie wir Amtsrussisch lieben). Wir unterschrieben also zum ersten Mal einen russischen Mietvertrag - wie aufregend!
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| So viel Gepäck. |
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| Erst einmal alles verladen. |
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| Vollgestopftes Auto. Jetzt kann's losgehen! |
Was uns besonders gefällt: die Wohnung ist zweistöckig! Im unteren Stock befindet sich WC, Wohnzimmer, Küche samt Essraum und im oberen Stock Bad mit WC, unsere beiden Schlafzimmer und ein Abstellkammerl. Ganz schöner Luxus also für russische Verhältnisse. Und obwohl die Wohnung groß und eigentlich schön eingerichtet ist, merkt man, dass die Russen nicht ganz so viel Wert auf Instandhaltung und Erneuerung legen :D. Beim Weißeln wird glaub ich auch nicht abgedeckt, denn egal ob Boden oder Fensterbrett, alles wird versehentlich mit Farbe bestrichen. Geputzt wurde die Wohnung wohl auch lange nicht mehr, weshalb wir gleich in der ersten Woche viel Zeit dafür verwendeten, die Wohnung auf Vordermann zu bringen (samt Heizkörper ausputzen - da war so viel Staub drin - pfui! :D). Und auch im Kühlschrank fand man hie und da kleine Essensreste von den Vormietern. Die Vermieterin war aber sehr bemüht, hat gleich mal den Handwerker gerufen, um Lampen zu tauschen etc. Eine sehr nette - wenn auch für europäische Verhältnisse anfangs kühl wirkende Frau (stets ernster Blick). Dafür unglaublich hilfsbereit. So richtig russisch eben, aber darauf gehen wir in einem anderen Post noch genauer ein.
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| Eingang zum Haus. |
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| Hintereingang zum Haus. |
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| Wohnzimmer und Eingang zum Esszimmer. |
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| Wohnzimmer. |
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| Essraum samt Küche. |
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| Stiegenaufgang. |
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| Zweiter Stock. Rechte geschlossene Tür Abstellkammerl. |
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| Evas Zimmer. |
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| Marias Zimmer. |
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Dusche mit Dampfsaunafunktion
(haben aber keine Ahnung wie das funktioniert). |
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| Zusätzliche Badewanne. |
Ungewohnt war für uns das russische System der коммунальные платежи (Zahlungen für Heizung, Strom, Wasser etc.). Heizkosten zahlt immer das gesamte Haus zusammen. Das heißt, dass man bei Heizkosten auch gar nicht sparen kann. Der Rest wird allerdings pro Wohnung gezahlt - und zwar monatlich und meist in bar.
Noch einer Sonderlichkeit: in den etwas teureren Wohnblöcken, gibt es stets eine sogenannte дежурная (wortwörtlich: diensthabende Person) - meist Frauen mittleren bis höheren Alters. Sie sitzen den ganzen langen Tag in ihrem Kämmerlein beim Eingang, beobachten das Grundstück (eingezäunt und mit Überwachungskameras versehen), nehmen Päckchen entgegen und unterhalten sich dabei meist entweder mit Stricken oder mit dem Schauen russischer Sendungen. Manche machen einem auch per Knopfdruck die Tür auf, wenn sie sehen, dass du kommst. Dass sie alles genau im Auge behalten fiel uns besonders auf, als wir in den ersten Tagen noch nicht wussten, wohin wir den Müll bringen können. Wir wollten nicht nachfragen also liefen wir einmal ums Haus, um den Müllplatz zu suchen. Wir fanden ihn, warfen den Müll weg und gingen zurück ins Haus. Da saß die дежурная grinsend und sagte "мылые девчонки, почему же вы не спросили, куда поставить мусор?" ("Ihr lieben Mädchen, warum habt ihr denn nicht gefragt, wo ihr den Müll wegschmeißen könnt?"). Da mussten wir richtig lachen - die Vorstellung uns dabei zuzuschauen, wie wir suchend ums ganze Haus liefen, ist ganz schön witzig.

Generell halten die reicheren Russen sehr viel von Sicherheit und Schutz ihres Eigentums. Hier hat man neben dem normalen Wohnungsschlüssel auch einen elektronischen Chip am Schlüsselbund. Der Chip öffnet einem sowohl das elektronisch gesicherte Eingangstor beim Zaun, als auch die Eingangstür des Wohnblocks. Mit dem normalen Schlüssel lässt sich dann die Wohnungstür öffnen.
Eine weitere Eigenheit des russischen Wohnens: von Mülltrennung hat hier wohl noch nie wer gehört. Biotonnen gibt es nicht. Plastiktonnen auch nicht. Alles landet zusammen in großen Mülltonnen und das war's. Plastikmüll und Biomüll zusammenhauen - das tut einem waschechten Europäer so richtig weh. Grausiges Gefühl.
Und auch wenn es viele Eigenheiten in Sachen "Wohnen in Russland" gibt, fühlen wir uns hier mittlerweile richtig wohl. Man gewöhnt sich eben an alles. Und die Nettigkeit, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen macht alles andere wett. (Aber darüber werden wir noch einmal ausführlicher berichten).
Das war's also. Wohnung gefunden. Jetzt mussten wir nur noch Grundnahrungsmittel und ein paar andere Dinge (Drucker, Bettzeug etc.) kaufen. Wie gut nur, dass es auch hier den altbewährten Ikea gibt.
Zu den zu kaufenden Grundnahrungsmitteln gehört hier übrigens auch Wasser. Denn das Wasser in Russland zu trinken, empfiehlt man hier niemanden - nicht mal den Russen selbst. So mussten wir also in der ersten Zeit immer 2x 5L Flaschen Wasser kaufen. Später bestellte uns unsere Vermieterin dann 3x 19L Flaschen Wasser (mit Pumpe zum Abpumpen). Das macht unser Leben wesentlich leichter, weil man der Firma einfach Bescheid geben kann, wenn die Flaschen leer werden, dann stellt man die Flaschen auf den Gang, und sie füllen sie einfach nach.
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| Ikea - "Eingang" |
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| Im Einkaufswahn. |
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Unsere Wasserspender.
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Jetzt war also endlich alles eingerichtet und verhungern/verdursten mussten wir auch nicht. Nun konnten wir uns wirklich aufs Studium konzentrieren. Die Lernsessions konnten also beginnen...
Super nett geschrieben. Bravo
ReplyDeleteDanke! :) :)
DeleteSuper eure Erfahrungen hier lesen zu können! :)
ReplyDeleteDanke! Freut mich, dass du so fleißig mitliest :)
DeleteWo sind weitere Berichte?
ReplyDeleteSchon online :)
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