Russische Wildnis: atemberaubende Schönheit und unvergessliche Abenteuer - Tag 3

Tag 3, leider verregnet aber das hält uns nicht ab! Mittags machen wir uns wieder zu dem Exkursionsstand auf, an dem wir auch die gestrige Tour gebucht hatten. Diesmal entschieden wir uns für eine Jeep-Tour in der Nähe von Sotschi. Die freundliche Verkäuferin bemerkte sofort unseren Akzent und fragte (wie auch schon viele andere in unserer Zeit hier in Russland) ganz interessiert woher wir denn sind und warum wir so gut Russisch sprechen. Ein strahlender Grinser zieht sich, so wie bei den meisten anderen auch, über ihr Gesicht, als wir sagten, dass wir ihre Muttersprache studieren. Die Russen scheinen sich wirklich aufrichtig darüber zu freuen, dass wir "Westler" versuchen, uns dem "Osten" mithilfe ihrer Sprache anzunähern.





Die Fahrt war ganz besonders lustig, weil der Fahrer (ein Typ um die 20) lautstark kaukasische und russische Musik aufdrehte - mit besonders "interessanten" (dümmlichen aber lustigen) Texten -, beim Hören welcher die meisten Russen wohl entweder den Kopf schütteln oder, wie Lena, sich vor Lachen nicht mehr einbekommen.






Und wieder die Erkenntnis: Spaß wird in Russland groß geschrieben, Sicherheit ist dabei
Nebensache. Obwohl es uns die ganze Fahrt lang hin und herrüttelt (und sogar vom Sitz aufhebt! - ja wirklich, nicht übertrieben! :D) gibt es keine Gurte. Außerdem fuhr der Fahrer wie (auf gut Deutsch) "eine Wildsau". Auf der Autobahn drängeln, in Kurven überholen und wenn überholen, dann auch richtig - nämlich rechts. :D (oder links auf eine einspurigen Autobahnzufahrt mit Sperrlinie --> siehe Video)



Im Hintergrund zu hören: eines dieser witzigen kaukasischen Lieder. Text: "Ich ging mit ihr auf Dates, schenkte ihr Blumen und sie heiratete einen anderen". Das 100 Mal wiederholen und man hat einen russischen Hit. :D


Dann ging es runter von der Autobahn und ab in die Wildnis. Und zu einem wunderschönen, versteckt gelegenen Wasserfall.









Als der Regen nachließ, öffnete der Fahrer das Dach und wir durften im Auto stehend die russische Freiheit genießen (und zwar mit lautem Kreischen und Arme ausstrecken a la Titanic). So fühlt sich die russische Freiheit also an - wild, unbändig, ohne Rücksicht auf Verluste. Bei dem ganzen Rütteln und festhalten müssen, dem Fahrtwind und dem niederprasselnden Regen (jap, nach ca. 10 Minuten Regenpause ging's dann wieder los - aber wir waren so wild und frei, dass uns das ziemlich egal war) fühlten wir uns, wie in einem amerikanischen Actionfilm aus den 60er Jahren. Wenig Sicherheit, wenig Gesetze aber dafür viel Freiheit und Spaß.


Mein Blick sagt alles. Verschwommen ist das Bild, weils so gerüttelt hat 
(deshalb auch das Festhalten :D)


Jap, wir hatten's witzig. Was ich sage? 
"Halloooo, wir sind in Russland....offensichtlich, offensichtlich...da, schaut"


Das hörte ich übrigens schon von viele Russen: "ihr Europäer habt viel zu viele und viel zu strenge Gesetze. Da gibt es keine Freiheit mehr. Das wäre uns viel zu langweilig." Meistens wird hier noch hinzugefügt, dass bei uns weder wildes Campen, noch Lagerfeuer machen oder wild Angeln erlaubt ist. Hat ja bei uns alles einen Sinn - aber das ist vielen Russen egal. Umweltschutz und Sicherheit wird klein geschrieben, dafür Spaß und individuelle Freiheit umso größer. Hat eben alles Vor- und Nachteile.

Nach dem Wasserfall ging es über Stock und Stein vorbei an kleinen Dörfchen zu einer russisch-orthodoxen Kirche.




Kulturelle Erkenntnis des Tages: viele russische Frauen (und natürlich auch Männer) glauben wirklich felsenfest daran, dass wir Frauen Schuld für das Schlechte auf der Welt sind, weil Eva den Apfel im Paradies aß. Dass Frauen in der russisch-orthodoxen Kirche als "schmutzig" (und Sündenbock) angesehen werden, ist auch dadurch erkennbar, dass keine Frau, die ihre Tage hat, in die Kirche gehen darf. 

Dann ging's weiter und wieder zurück in den Wald - hin zu einem kleinen Cafe, das sich gleich neben dem Erholungsgebiet "Canyon Psacho" befand. Dort bestellten wir Schaschlick und machten uns, während diese vorbereitet wurden, auf in den Canyon. Besonders wenn es regnet und das Wasser schwallartig von den Bergen hinunter in den Canyon fließt, muss man sehr wachsam sein, denn der Wasserspiegel kann hier blitzartig so ansteigen, dass man nicht mehr rechtzeitig rauskommt.


Über Stock und Stein...und Wasser.

Natürliches Schlammbad. So wird Schlamm abgebaut, 
den ihr euch dann ins Gesicht klatscht, Mädls :D












Diese Bäume sind leider von Schmetterlingen "zerfressen" worden, die mit der Olympiade in Sotschi von Europa hierher versehentlich eingeflogen worden sind. Und nicht nur hier sondern um ganz Sotschi herum.
Aufjedenfall war es ein tolles Erlebnis, einmal auch selbst diese russische Wildheit und Freiheit zu erleben. Maria und ich dachten uns im Nachhinein oft, dass so ein Ausflug bei uns in Österreich ganz besonders für Touristen wohl kaum möglich wäre - zu viel Risiko für die Veranstalter (besonders bei vollem Karacho hinten im Jeep stehend). Umso mehr genossen wir also dieses einmalige Abenteuer.

Und so ging der 2. Tag mit einem abschließenden "Blödelfoto" zu Ende. :)

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