Russlands Wildnis: atemberaubende Schönheit und unvergessliche Abenteuer - Tag 1

Майские праздники (Mai Feiertage) - ein großes Wort in Russland, denn für die meisten bedeutet es Ausflüge und Entspannung. Dank dem hier so groß gefeierten "Tag des Sieges" (9.Mai) war unser letztes Wochenende ein verlängertes, was es uns erlaubte mit unserer russischen Freundin Elena nach Sotschi bzw. genauer gesagt nach Chosta (ein Nachbarort und Erholungsgebiet Nahe Sotschi) zu fahren. Das war er also - unser erster Ausflug innerhalb Russlands - und nicht nur irgendwohin sondern auch noch ins Erholungsgebiet Nummer 1 für alle Russen: die Schwarzmeerküste.

Donnerstag um 5:15 morgens begann unsere Reise mit dem Taxi zum Bahnhof Krasnodar. Kaum den Popo ins Taxi gehoben, fällt uns schon wieder der nächste große Unterschied zwischen Österreich und Russland auf: Anschnallen wird hier mehr belächelt als Ernst genommen. So sehr belächelt, dass es beim Rücksitz des Taxis nicht einmal Gurte gab. Wir staunten nicht schlecht, als wir uns mehrmals in alle Richtungen reckten, um zu schauen, wo denn nur dieser Gurt war, ihn dann auch vorfanden, aber eben unter den Sitzen eingeklemmt und somit wohl mehr als Zierde und nicht zur Verwendung gedacht. Unsere Verwunderung stand uns wohl so ins Gesicht geschrieben, dass Elena unglaubhaft fragte: "Sucht ihr den Gurt?" und auf unser Nicken mit einem lauten Lachen reagierte. Hier schnalle sich niemand an, erklärte sie uns. Erinnerte mich irgendwie an die Geschichten meiner Großeltern, darüber, wie unverantwortlich man in den 60er Jahren noch war, als Anschnallen ein Fremdwort und Rauchen im Auto neben den Kindern Gang und Gäbe war. Wie haben wir damals gemeinsam über diese Zeit gelacht! Dass es immer noch Länder gibt, in denen sich dies nicht verändert hat, wusste ich damals nicht. Also gut, dann eben ohne Gurt zum Bahnhof.
Beim Bahnhof angekommen schießt uns sofort der nächste Unterschied ins Auge: Kontrollen wie beim Flughafen. Gepäck aufs Gepäckband und schon verschwindet es in einem Kasten, wo es erstmal gründlich durchgescannt wird. Wir selbst gehen durch Metalldetektoren und holen uns unser Gepäck wieder. Puh... geschafft. Ab zum Bahnsteig und schon bald wird uns bewusst, warum hier so viel genauer kontrolliert wird. Massen an Menschen stürmen zum anhaltenden Zug und drängen sich durch die engen Eingänge. Nur gut, dass der Zug wenigstens ziemlich modern ist. Einsteigen darf man allerdings nur nachdem man Ticket und Pass vorgezeigt hat. Im Zug suchen wir unsere Sitzplätze und - ja, ihr könnt es sicher schon erraten - der nächste Unterschied: hier gibt es nicht nur Sitzplätze die in zweier Reihen oder jeweils zwei gegenüber zwei (also Gruppen von vier) angeordnet sind sondern hier gibt es auch Anordnungen von drei gegenüber drei (also Gruppen von sechs). Beinfreiheit wird hier nicht allzu wichtig genommen - genau so wie Körperabstand... aber dazu später.





Der Zug fährt von Sotschi Richtung Anapa (Ort an der nördlichen Schwarzmeerküste) und der Küste entlang Richtung Sotschi, Chosta und Adler (letztes russisches Gebiet vor Abchasien). Alles eigenständige Kurorte, die aber seit der Olympiade irgendwie doch zu Sotschi gehören. Für alle, die es nicht wissen: Abchasien ist ein abtrünniger "Staat", der nur von Russland, Nicaragua, Venezuela und Nauru als solcher anerkannt wird. 2008 kam es hier zum Kaukasuskrieg zwischen Russland, Abchasien und Südossetien auf der einen Seite sowie Georgien auf der anderen Seite, von dem sich die beiden Länder mithilfe Russlands freisprechen wollten. 
Die Fahrt bis zur Schwarzmeerküste versetzte uns angesichts der unglaublichen Anzahl saftig grüner Bäume und der für Russland bekannten endlosen Weite ins Staunen. Nur hie und da ragt eine Gruppe kleiner Häuschen aus dem kräftigen Grün heraus. 





Und es scheint so als würde nur eine einzige Straße von Krasnodar Richtung Anapa führen. 



Dass das Gebiet wenig aber doch vom Menschen erschlossen ist, erkennt man auch an solchen Erscheinungen, die uns ein Schmunzeln ins Gesicht zauberten: 



Angekommen in Anapa, ändert sich das Landschaftsbild abrupt. Zum Glück sind wir genau auf der richtigen Seite des Zuges gesessen, um diesen wunderbaren Anblick genießen zu können.






In Chosta angekommen, holte uns der Besitzer der Air-BnB Wohnung, die wir zuvor gemietet hatten, mit einem sehr teuer wirkenden Auto ab. Witzigerweise stellt man sich in Russland, sobald man jemanden mit einem so teuren Auto sieht, immer sofort die Frage, was dieser Mensch wohl arbeitet, dass er so viel verdient. Wahrscheinlich besonders wegen den in europäischen Köpfen vorherrschenden Stereotypen kommen da einem schon einmal Begriffe wie Agent, Mafia oder Oligarch in den Kopf. Was auch immer der Mann in seinem Leben geleistet hatte, um sich so ein Auto kaufen zu können - er war jedenfalls unglaublich freundlich und hilfsbereit. Er blieb sogar extra mit uns im Ortszentrum stehen, um dort Touren für die nächsten Tage zu buchen, führte uns kurz zum Umziehen ins AirBnB und danach gleich zum Ausgangspunkt unserer ersten Wanderung. Der Anblick des AirBnB sorgte sofort für große Freude - was für ein Ausblick!











Die erste Wanderung führte entlang des Тисо-самшитовая роща (Tiso-samshitovaya Roshcha). Typisch für Österreicher kleideten Maria und ich uns einer Wanderung angemessen - Sportkleidung und Wanderschuhe. Schnell merkten wir aber, dass поход (Wanderung) im Russischen ein sehr weiter Begriff ist. Denn während wir mit Rucksack und allem drum und dran in voller Wanderlaune waren, sahen wir auch einige russische Lady mit Sandalen und Kleid.





Der "Wander"-weg war eingeteilt in verschiedene Routen: Kleiner Ring, Großer Ring und ganz bis zum ende der Роща. 




Wie es sich für waschechte Österreicher gehört, gingen wir natürlich ganz bis zum Ende. Die Teilstrecke bis zum Beginn des Großen Ringes war noch asphaltiert, erst später begann ein richtiger Wanderweg. Den ganzen Weg entlang gerieten wir nicht nur einmal ins Schwärmen angesichts der wunderschönen Natur Russlands.













Da, wie schon erwähnt, einige russische Ladies das Wort Wandern hier nicht so wörtlich nehmen, gibt es sogar am Anfang des Großen Ringes Warnungen seitens der Behörden.




Lena erklärte uns, dass dieser Weg eigentlich früher touristisch gar nicht ausgebaut war. Erst seit der Olympiade sei das Gebiet erschlossen. 
Mit dem Bogen mit der Aufschrift "Großer Ring" beginnt der eigentliche und damit etwas abenteuerliche Weg. 














Am Ende angekommen, gönnten wir uns noch einen richtigen kaukasischen Schaschlik (gebratenes Schweinefleisch).




"Des Teufels Tor"



Kaukasisches staatliches Naturschutzgebiet. Canyon "des Teufels Tor"


Beim Rückweg wurden uns weitere wunderschöne Einblicke in die russische Natur zu Teil.
















Ein perfekter erster Tag im Süden Russlands. Ein guter Start in ein unvergessliches Abenteuer.






Comments

  1. "The Road goes ever on and on
    Down from the door where it began.
    Now far ahead the Road has gone,
    And I must follow, if I can,
    Pursuing it with eager feet,
    Until it joins some larger way
    Where many paths and errands meet.
    And whither then? I cannot say."

    (The Fellowship of the Ring, Book I, Chapter 1)

    ��

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  2. Einfach toll. Was ihr so alles erlebt.
    👍👍👍👍👍

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  3. Einfach toll. Was ihr so alles erlebt.
    👍👍👍👍👍

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