Ein verrücktes Osterfest
Maria und ich haben noch bevor wir in Russland ankamen, beschlossen, alle Feiertage genau so zu feiern, wie das eben auch die Russen tun. Umso mehr freuten wir uns, als kurz vor Ostern unsere russische Freundin Anna uns einlud, mit ihr und ihrer Familie Ostern zu feiern. Wow - es war endlich so weit, wir waren also dazu auserkoren, einen tieferen Blick in die russische Seele zu werfen - denn Feiertage machen immerhin einen beträchtlichen Teil einer Kultur aus.
Wie das in Russland - so wie eigentlich bei uns auch - üblich ist, kommt man als Gast nie mit leeren Händen. Eine Flasche Wein oder Bonboniere erschienen uns allerdings als zu langweilig, weshalb wir die Ärmel hochkrempelten und uns selbst ans Werk machten. Ganz nach Omis Rezept und mit Mamas Tipps wagten wir uns ans Backen eines typisch österreichischen Zopfnestes heran.
Vorsichtshalber beschlossen wir, nicht erst am Tag vor der Feier unsere Backkünste zu erproben, sondern schon zwei Tage vorher einen Probedurchlauf zu machen. Leider gibt es hier in Russland Streuselzucker nicht, weshalb wir auf normalen Zucker ausweichen mussten - der aber natürlich nie an die gleiche Intensität an Süße herankommt. Dennoch würde ich sagen, dass uns die Nester gelungen sind. Aber natürlich kommen sie an die Nester von Oma und Mama nicht heran. Da die Russen zum Glück jedoch keinen Vergleichswert haben, kann man das schon trotzdem als gelungenes Gastgeschenk gelten lassen! :D
Gemeinsam färbten wir noch einige Ostereier, bevor wir drei (Anna, Maria und ich) uns zur Abendmesse in die Kirche aufmachten.
Bevor es allerdings losging, mussten wir uns erst unsere Kopftücher aufsetzen. Denn in der russisch-orthodoxen Kirche wird Frauen ohne Kopftuch kein Eintritt gewährt. Übrigens auch nicht ohne Rock oder einem Tuch, das man sich um die Jeans bindet. Oder wenn eine Frau ihre Tage hat. Und für alle gilt: "ohne Kette mit Kreuzanhänger geht man nicht in die Kirche!" Wie sie das mit der Kette kontrollieren wollen, ist mir aufgrund der Tatsache, dass die Kopftücher genau den Bereich um den die Kette hängt, verschleiern, ein Rätsel. All diese Ansichten sind äußerst schwer zu verstehen für uns Europäer. Denn während Frauen sich unbedingt bedecken müssen, sieht man Männer hingegen nicht selten in Jogginganzug in der Kirche. Diese Ungleichheit führte schon zu einigen interessanten Diskussionen mit unseren Freundinnen, die diese aber nicht einmal als solche sehen. Eine Freundin erklärte uns sogar, dass dies damit zu tun habe, dass Frauen eben sündiger seien als Männer - da es ja Eva war, die den Apfel aß. Eine Weltanschauung, die in Europa zum Glück als verstaubt gilt und schon größtenteils verjährt ist, hier aber scheinbar tief in der Kultur, ihren Traditionen und Riten, verankert ist.
Nach der Prozession geht es zum eigentlichen Gottesdienst. Bevor man aber die Kirche betreten darf, muss man sich wiederum vor dem Eingangstor dreimal bekreuzigen. Bevor wir mit Anna zum Gottesdienst gingen, informierte sie uns darüber, dass die orthodoxen Christen sich anders bekreuzigen als die römisch-katholischen Christen. Während bei uns meist ein Finger oder zwei reichen, besteht man hier darauf, Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger zusammenzugeben (der Vater, der Sohn und der Heilige Geist) und sich damit nicht von links nach rechts, sondern von rechts nach links zu bekreuzigen. Da wir aber römisch-katholisch sind, sei es kein Problem unsere Handbewegung wie gewohnt zu machen. Gesagt, getan. Ich stehe vor dem Eingang, bekreuzige mich dreimal allerdings auf römisch-katholische Art und Weise. Prompt tippst mich eine ältere Frau von rechts an, starrt mich mit grimmigem Gesicht an und sagt "Nein, nein Kindchen, du hast das falsch gemacht. Drei Finger verwenden wir, und viel andächtiger, nicht so schnell". Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie paff ich war. Ich glaube, bei uns in der Kirche würde es nicht einmal jemandem auffallen, wenn das jemand anders macht. Mir jedenfalls nicht. Diese Dame schien wohl den ganzen Abend da gestanden und beobachtet zu haben, wie andächtig (und ob andächtig genug) die Leute sich bekreuzigten. Ungläubig (und eigentlich um meine Verwunderung zu kaschieren) stellte ich mich dumm und fragte: "Wie? So?" Ihre Antwort "Ja, ja natürlich" Sie wollte schon weiter auf mich einreden, als mich Anna glücklicherweise auf die Seite zog und nur meinte, ich solle nicht hinhören. Das war ja einmal eine gute Einführung in den orthodoxen Glauben. Aber genau die Tatsache, dass diese Kleinigkeiten so unglaublich wichtig für die ältere Generation Russlands zu sein scheint, zeigt, wie tief besonders bei ihnen der Glauben und vor allem die Religiosität noch verankert ist.





Wir wurden Zeugen der unglaublichen russischen Gastfreundschaft. Zwar wurden uns einige Fragen darüber gestellt, wie wir Ostern feiern, wo wir herkommen, warum wir russisch studieren und (die wichtigste Frage überhaupt) wie es uns hier gefällt, doch kam es nicht zum befürchteten strengen Ausfragen über Weltanschauungen.
Das Essen konnte also beginnen. Wichtig dabei: als erstes darf man nur jene Gerichte essen, die am Vorabend geweiht worden waren. Erst anschließend, darf auch der Rest verspeist werden. Gleich neben mir saß den ganzen Tag lang Annas Opa, der sich unglaublich herzlich um mich kümmerte. Immer wenn er sich selbst Dill oder andere Kräuter aufs Teller legte (ja, das wird in Russland als Ganzes geknabbert), gab er einen Teil davon auf meinen Teller. Das Essen war lecker und wir unterhielten uns wirklich nett. Immer wieder wurde auf irgendetwas angestoßen, wobei ziemlich alle außer wir und Anna Vodka tranken. Da wir gelernt haben, dass man in Russland besser nie "ja" zu Vodka sagen sollte, da man dann nicht mehr auskommt, blieben wir bei Wein. Und so oft wie die Russen anstoßen, reichte uns das auch völlig. Im Laufe des Tages wurde sogar ich einmal gebeten einen "Trinkspruch" zu sagen. Diese Gelegenheit nützte ich, um mich für die nette Einladung zu bedanken und zu betonen, wie sehr es uns mit ihnen gefällt (das stimmt wirklich!) und zu beteuern, dass es für uns wirklich eine einmalige Gelegenheit ist, die russischen Traditionen so kennenzulernen. Denn Maria und mir ist natürlich bewusst, dass der Großteil der Sprachstudenten so eine Chance nie bekommt, da die meisten sich doch hauptsächlich mit anderen ausländischen Studenten statt mit Russen anfreunden.
Nach dem Essen führte uns Annas Opa durch das Haus, in dem wir feierten, ihr Onkel durch sein Haus (drei Häuser sind hier mehr oder weniger aneinander gebaut) und ihre Oma durch den Gemüsegarten. Besonderer Fokus wurde auf die jeweiligen Keller gelegt. Dass hier auch noch sehr viel Wert auf das eigene Anbauen von Obst und Gemüse gelegt wird, wird beim Anblick der Keller deutlich. Außerdem macht man auch Alkohol hier am liebsten selbst. Ein typisch hausgemachtes russisches alkoholisch Getränk nennt sich Самогон (hat circa 40 % und schmeckt wie eine Art Whiskey) und natürlich durften wir dieses auch kosten.
Auch die Führung durch den Garten mit ihrer Oma war sehr nett. Sie zeigte uns alles mögliche selbst angebaute und pflückte uns sogar extra Dill, Petersilie, Flieder und Tulpen.
Außerdem brachte uns ihr Opa dann noch eingelegte Tomaten und ihre Elten typisch russisches Ostergebäck und Eier. Kurz gesagt: Wir wurden richtig verwöhnt.
Nach der Führung durch Häuser und Garten blieb noch Zeit zum typisch russischen Fotoshooting (fast bei jeder Feier wird das gemacht).
Die große Gastfreundschaft dieser russischen Familie versetzte uns wirklich ins Staunen. Auch bei uns gibt es nette Menschen aber bei uns hört man bei weitem nicht so oft "greift nur zu" "wollt ihr hiervon noch was?" "hier, nimm, nimm" "Bitte, kommt doch wieder" und "ihr seid hier immer willkommen". Trotz aller kultureller Unterschiede war es also ein wunderschöner Tag. Mit tollem Essen und ausgezeichneter Laune machten wir uns auf den Weg nachhause. Wir sind wirklich froh und unglaublich dankbar, dass uns diese einmalige Chance zu Teil wurde und wir die russisch Seele ein Stück näher kennenlernen durften.
Wie das in Russland - so wie eigentlich bei uns auch - üblich ist, kommt man als Gast nie mit leeren Händen. Eine Flasche Wein oder Bonboniere erschienen uns allerdings als zu langweilig, weshalb wir die Ärmel hochkrempelten und uns selbst ans Werk machten. Ganz nach Omis Rezept und mit Mamas Tipps wagten wir uns ans Backen eines typisch österreichischen Zopfnestes heran.


Vorsichtshalber beschlossen wir, nicht erst am Tag vor der Feier unsere Backkünste zu erproben, sondern schon zwei Tage vorher einen Probedurchlauf zu machen. Leider gibt es hier in Russland Streuselzucker nicht, weshalb wir auf normalen Zucker ausweichen mussten - der aber natürlich nie an die gleiche Intensität an Süße herankommt. Dennoch würde ich sagen, dass uns die Nester gelungen sind. Aber natürlich kommen sie an die Nester von Oma und Mama nicht heran. Da die Russen zum Glück jedoch keinen Vergleichswert haben, kann man das schon trotzdem als gelungenes Gastgeschenk gelten lassen! :D
Samstag
Jetzt war es also soweit. Ausgestattet mit Zopf und Schal (als Kopftuchersatz - dazu aber später) ging's auf zu unserer Freundin Anna. Während wir unsere österreichische Spezialität backten, war auch Annas Mama mehr als fleißig.
Gemeinsam färbten wir noch einige Ostereier, bevor wir drei (Anna, Maria und ich) uns zur Abendmesse in die Kirche aufmachten.

Bevor es allerdings losging, mussten wir uns erst unsere Kopftücher aufsetzen. Denn in der russisch-orthodoxen Kirche wird Frauen ohne Kopftuch kein Eintritt gewährt. Übrigens auch nicht ohne Rock oder einem Tuch, das man sich um die Jeans bindet. Oder wenn eine Frau ihre Tage hat. Und für alle gilt: "ohne Kette mit Kreuzanhänger geht man nicht in die Kirche!" Wie sie das mit der Kette kontrollieren wollen, ist mir aufgrund der Tatsache, dass die Kopftücher genau den Bereich um den die Kette hängt, verschleiern, ein Rätsel. All diese Ansichten sind äußerst schwer zu verstehen für uns Europäer. Denn während Frauen sich unbedingt bedecken müssen, sieht man Männer hingegen nicht selten in Jogginganzug in der Kirche. Diese Ungleichheit führte schon zu einigen interessanten Diskussionen mit unseren Freundinnen, die diese aber nicht einmal als solche sehen. Eine Freundin erklärte uns sogar, dass dies damit zu tun habe, dass Frauen eben sündiger seien als Männer - da es ja Eva war, die den Apfel aß. Eine Weltanschauung, die in Europa zum Glück als verstaubt gilt und schon größtenteils verjährt ist, hier aber scheinbar tief in der Kultur, ihren Traditionen und Riten, verankert ist.

Das Osterfest gilt in der orthodoxen Kirche als das größte und wichtigste Fest im Kirchenjahr. Traditionell wird Samstagnacht der Gottesdienst besucht und am Sonntag mit der Familie gefeiert. Besonders Familien mit Kindern bevorzugen aber Sonntag in aller Herrgottsfrühe in die Kirche zu gehen (so wie auch Annas Eltern mit ihrem jüngeren Bruder).
Bevor der Gottesdienst am Samstag beginnt, sammeln sich alle Gläubigen am Platz vor der Kirche. Aufgrund der letztenTerroranschläge in Russland (vor allem der in Sankt Petersburg) ist bei solchen Ansammlungen die Polizei nicht mehr wegzudenken.
Ein Bogen bildet den Eingang zum Platz vor der Kirche. Für einen ordentlichen orthodoxen Gläubigen gebührt es sich, sich dreimal zu bekreuzigen, bevor man durch den Bogen schreitet. Als Gäste wollten wir uns natürlich integrieren und somit bekreuzigten auch wir uns dreimal. Dass dies der Anfang von stundenlangem dreimal aufeinanderfolgenden Bekreuzigen war, wussten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.
Wie auch bei uns, beginnt der Gottesdienst mit dem Entzünden von Kerzen. Nur, dass im orthodoxen Glauben eine Prozession um die Kirche herum folgt (und zwar der Straße entlang). Allzu andächtig war diese Prozession zu unserer Verwunderung allerdings nicht. Man sah schon einmal Kinder nach vorne rennen und die alten Babuschkas (Omas) quatschten fröhlich vor sich hin. Nicht ganz passend zu dem andächtigen Bekreuzigen, das von einem erwartet wird. Im Gegensatz zu unseren Prozessionen, gibt es hier außerdem keine Lautsprecher. Eigentlich singen die Priester während der Prozession, aber der Großteil der Menschen, der in einer schier unendlichen Schlange hinterher trottet, hört von dem Gesang nichts.
Ein Bogen bildet den Eingang zum Platz vor der Kirche. Für einen ordentlichen orthodoxen Gläubigen gebührt es sich, sich dreimal zu bekreuzigen, bevor man durch den Bogen schreitet. Als Gäste wollten wir uns natürlich integrieren und somit bekreuzigten auch wir uns dreimal. Dass dies der Anfang von stundenlangem dreimal aufeinanderfolgenden Bekreuzigen war, wussten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.
Wie auch bei uns, beginnt der Gottesdienst mit dem Entzünden von Kerzen. Nur, dass im orthodoxen Glauben eine Prozession um die Kirche herum folgt (und zwar der Straße entlang). Allzu andächtig war diese Prozession zu unserer Verwunderung allerdings nicht. Man sah schon einmal Kinder nach vorne rennen und die alten Babuschkas (Omas) quatschten fröhlich vor sich hin. Nicht ganz passend zu dem andächtigen Bekreuzigen, das von einem erwartet wird. Im Gegensatz zu unseren Prozessionen, gibt es hier außerdem keine Lautsprecher. Eigentlich singen die Priester während der Prozession, aber der Großteil der Menschen, der in einer schier unendlichen Schlange hinterher trottet, hört von dem Gesang nichts.

Nach der Prozession geht es zum eigentlichen Gottesdienst. Bevor man aber die Kirche betreten darf, muss man sich wiederum vor dem Eingangstor dreimal bekreuzigen. Bevor wir mit Anna zum Gottesdienst gingen, informierte sie uns darüber, dass die orthodoxen Christen sich anders bekreuzigen als die römisch-katholischen Christen. Während bei uns meist ein Finger oder zwei reichen, besteht man hier darauf, Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger zusammenzugeben (der Vater, der Sohn und der Heilige Geist) und sich damit nicht von links nach rechts, sondern von rechts nach links zu bekreuzigen. Da wir aber römisch-katholisch sind, sei es kein Problem unsere Handbewegung wie gewohnt zu machen. Gesagt, getan. Ich stehe vor dem Eingang, bekreuzige mich dreimal allerdings auf römisch-katholische Art und Weise. Prompt tippst mich eine ältere Frau von rechts an, starrt mich mit grimmigem Gesicht an und sagt "Nein, nein Kindchen, du hast das falsch gemacht. Drei Finger verwenden wir, und viel andächtiger, nicht so schnell". Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie paff ich war. Ich glaube, bei uns in der Kirche würde es nicht einmal jemandem auffallen, wenn das jemand anders macht. Mir jedenfalls nicht. Diese Dame schien wohl den ganzen Abend da gestanden und beobachtet zu haben, wie andächtig (und ob andächtig genug) die Leute sich bekreuzigten. Ungläubig (und eigentlich um meine Verwunderung zu kaschieren) stellte ich mich dumm und fragte: "Wie? So?" Ihre Antwort "Ja, ja natürlich" Sie wollte schon weiter auf mich einreden, als mich Anna glücklicherweise auf die Seite zog und nur meinte, ich solle nicht hinhören. Das war ja einmal eine gute Einführung in den orthodoxen Glauben. Aber genau die Tatsache, dass diese Kleinigkeiten so unglaublich wichtig für die ältere Generation Russlands zu sein scheint, zeigt, wie tief besonders bei ihnen der Glauben und vor allem die Religiosität noch verankert ist.
Der Gottesdienst selbst hinterließ auch einen etwas bitteren Nachgeschmack bei uns. Predigen in dem Sinne, dass der Priester sich mit weisen Worten an die Gläubigen richtet, gibt es hier nicht. Stattdessen bewegen sich mehrer Priester (ich glaube es waren um die sieben) in Kreuzform auf einer Erhebung vor dem Volk und weihen damit bis zu drei Stunden den Raum um sich herum. Dabei werden fixe Floskeln aufgesagt - besonders bekannt "Христос воскрес" (Christus ist auferstanden), woraufhin die Gläubigen antworten "Воистину воскресе" (Wahrhaftig auferstanden). Nach jeder Floskel muss man sich wieder dreimal bekreuzigen und vorbeugen. Gefühlte hundertmal wenn ihr uns fragt. Dieses Христос воскрес wird immer lauter und energischer und auch die Masse schreit immer lauter ihre Antwort. Ein ungutes Gefühl für jemanden, der nur die römisch-katholischen Riten, Bräuche und Traditionen kennt und versteht. Die ganzen drei Stunden hält auch fast niemand aus. Darum ist es ein ständiges Kommen und Gehen. Da man in orthodoxen Kirchen nicht sitzen darf, sondern eng aneinander gereiht in einem schwülen Raum stehen muss, ist es auch nicht verwunderlich, dass nach circa einer Stunde die erste Person einfach umkippte.
Uns erschien das ganze sehr eintönig, denn außer einem Chor, der aber auch größtenteils die gleichen Phrasen sang, gab es keine Abwechslung - keine Predigt, keine Instrumente, keine anderen Bewegungen. Auch wir hielten nicht bis zum Schluss durch und verließen schon früher die Kirche.
Uns erschien das ganze sehr eintönig, denn außer einem Chor, der aber auch größtenteils die gleichen Phrasen sang, gab es keine Abwechslung - keine Predigt, keine Instrumente, keine anderen Bewegungen. Auch wir hielten nicht bis zum Schluss durch und verließen schon früher die Kirche.
Nach dem eigentlichen Gottesdienst werden Speisen, die man am nächsten Tag mit der Familie verzehren möchte, - so wie bei uns - geweiht.

Man stellt sie vor sich auf den Tisch und wartet bis die Priester kommen. Diese gehen dann den Tischen entlang und weihen die Speisen (und leider auch die Menschen die dahinter stehen) mit weit mehr als nur ein paar Tröpfchen Weihwasser. Mit einem Rutenbündel wurden wir mit Weihwasser übergossen. Brille und Haare waren daraufhin "fetznass". Der Abend war geschafft. Mit gemischten Gefühlen aber trotzdem froh, dass wir das einmal erleben durften (und mit dem Gedanken einmal und nie wieder) gingen wir zu Anna nachhause und übernachteten bei ihr.
Sonntag
Der nächste Tag begann mit gemischten Gefühlen. Was würde der Tag wohl bringen? Wenn der Gottesdienst für uns schon so "anders" war, wie wird dann wohl das Zusammentreffen mit der Familie sein? Würden sie uns über unseren Glauben ausfragen? Würde es ungute Momente geben?
Zum Glück waren all diese Sorgen umsonst. Der Tag war einfach nur spitze!
Morgens wurden wir von Annas süßer Babykatze begrüßt, die es sichtlich bei uns genoss.
Morgens wurden wir von Annas süßer Babykatze begrüßt, die es sichtlich bei uns genoss.
Während Annas Eltern und Großeltern das Essen vorbereiteten, vertrieben wir uns bei wunderschönem Wetter die Zeit mit ihrem Hund.





Nach nicht allzu langer Zeit, war es soweit. Ziemlich nervös, betraten wir das Wohnzimmer ihrer Großeltern. Sofort wurden wir mit "Христос воскрес" (Christus ist auferstanden) begrüßt. Nur gut, dass wir schon zuvor auf der Uni - und nicht zuletzt auch bei tausendmaliger Wiederholung in der Kirche - gelernt hatten, dass man darauf unbedingt mit "Воистину воскрескe" (wahrhaftig auferstanden) antworten sollte. Es folgt ein Küsschen links und rechts. Wie offen ihre Verwandten sind, merkten wir allerdings schnell. Sehr schnell sogar. Eine Begrüßung reicht aus, um so etwas hier zu merken. Denn ihr Großvater schüttelte uns bei der Begrüßung lächelnd die Hände. Äußerst ungewöhnlich für Russland. Denn hier gibt sich Mann und Frau nie die Hand. Nur Männer begrüßen sich untereinander auf diese Art und Weise. Männer und Frauen nicken sich für gewöhnlich nur zu, während Frauen sich umarmen oder zweimal links und rechts küssen.

Das Essen konnte also beginnen. Wichtig dabei: als erstes darf man nur jene Gerichte essen, die am Vorabend geweiht worden waren. Erst anschließend, darf auch der Rest verspeist werden. Gleich neben mir saß den ganzen Tag lang Annas Opa, der sich unglaublich herzlich um mich kümmerte. Immer wenn er sich selbst Dill oder andere Kräuter aufs Teller legte (ja, das wird in Russland als Ganzes geknabbert), gab er einen Teil davon auf meinen Teller. Das Essen war lecker und wir unterhielten uns wirklich nett. Immer wieder wurde auf irgendetwas angestoßen, wobei ziemlich alle außer wir und Anna Vodka tranken. Da wir gelernt haben, dass man in Russland besser nie "ja" zu Vodka sagen sollte, da man dann nicht mehr auskommt, blieben wir bei Wein. Und so oft wie die Russen anstoßen, reichte uns das auch völlig. Im Laufe des Tages wurde sogar ich einmal gebeten einen "Trinkspruch" zu sagen. Diese Gelegenheit nützte ich, um mich für die nette Einladung zu bedanken und zu betonen, wie sehr es uns mit ihnen gefällt (das stimmt wirklich!) und zu beteuern, dass es für uns wirklich eine einmalige Gelegenheit ist, die russischen Traditionen so kennenzulernen. Denn Maria und mir ist natürlich bewusst, dass der Großteil der Sprachstudenten so eine Chance nie bekommt, da die meisten sich doch hauptsächlich mit anderen ausländischen Studenten statt mit Russen anfreunden.
Nach dem Essen führte uns Annas Opa durch das Haus, in dem wir feierten, ihr Onkel durch sein Haus (drei Häuser sind hier mehr oder weniger aneinander gebaut) und ihre Oma durch den Gemüsegarten. Besonderer Fokus wurde auf die jeweiligen Keller gelegt. Dass hier auch noch sehr viel Wert auf das eigene Anbauen von Obst und Gemüse gelegt wird, wird beim Anblick der Keller deutlich. Außerdem macht man auch Alkohol hier am liebsten selbst. Ein typisch hausgemachtes russisches alkoholisch Getränk nennt sich Самогон (hat circa 40 % und schmeckt wie eine Art Whiskey) und natürlich durften wir dieses auch kosten.
Auch die Führung durch den Garten mit ihrer Oma war sehr nett. Sie zeigte uns alles mögliche selbst angebaute und pflückte uns sogar extra Dill, Petersilie, Flieder und Tulpen.

Außerdem brachte uns ihr Opa dann noch eingelegte Tomaten und ihre Elten typisch russisches Ostergebäck und Eier. Kurz gesagt: Wir wurden richtig verwöhnt.

Nach der Führung durch Häuser und Garten blieb noch Zeit zum typisch russischen Fotoshooting (fast bei jeder Feier wird das gemacht).








Die große Gastfreundschaft dieser russischen Familie versetzte uns wirklich ins Staunen. Auch bei uns gibt es nette Menschen aber bei uns hört man bei weitem nicht so oft "greift nur zu" "wollt ihr hiervon noch was?" "hier, nimm, nimm" "Bitte, kommt doch wieder" und "ihr seid hier immer willkommen". Trotz aller kultureller Unterschiede war es also ein wunderschöner Tag. Mit tollem Essen und ausgezeichneter Laune machten wir uns auf den Weg nachhause. Wir sind wirklich froh und unglaublich dankbar, dass uns diese einmalige Chance zu Teil wurde und wir die russisch Seele ein Stück näher kennenlernen durften.








Was für Unterschiede?
ReplyDeleteDas Bild der Russen im Westen wird mit eurem Bericht wohl deutlich widmet.
😁😉👍👍👍👍👍
wird deutlich widmet?? :D :D
DeleteWas für Unterschiede?
ReplyDeleteDas Bild der Russen im Westen wird mit eurem Bericht wohl deutlich widmet.
😁😉👍👍👍👍👍