Uni, Uni, Uni
Das Leben als Student ist hart. Härter ist es in Russland.
Hart sind auch die Bänke, auf denen wir sitzen und
schwitzen. Ja, in den Unterrichtsräumen kann es ganz schön heiß werden! Kein
Wunder, dass die Professoren während des Unterrichts die Türen zum Gang stets
weit geöffnet lassen. Der Lärm von draußen nervt zwar manchmal, aber stört nicht
so sehr wie stickige Luft, die mindestens so schwer ist wie unser Akzent beim
lauten Vorlesen unbekannter Wörter… Ist alles nicht so schlimm. Die Tür bleibt
eben offen, der Lehrer korrigiert dich geduldig oder genervt – je nach Laune –,
die Mitstudenten lachen, gähnen, quatschen in der letzten Reihe und spielen am
Handy. Manches ist überall gleich, in Österreich wie in Russland, in der Schule
wie auf der Uni.
Eher ungewöhnlich: Passkontrollen am Eingang. Tatsächlich
müssen alle Ausländer, so lange sie noch keinen Studentenausweis („studjentscheskij
biljet“) haben, ihre Pässe vorzeigen. Es folgt ein angestrengter Blick des
Gegenübers, das den ausländischen Pass genau begutachtet. Name, Geburtsdatum,
Passnummer werden in ein dickes Buch eingetragen. Es könnte sich vom Aussehen
her um ein Gästebuch handeln. Leider darf ich keine Nettigkeiten, sondern bloß
meine Unterschrift eintragen. Das war’s. Der Nächste, bitte! Mittlerweile trägt
jede von uns schon stolz ein „studjentscheskij biljet“ mit sich, damit geht das
Einlassprozedere schneller: Tür auf, Ausweis zeigen, weitergehen.
Vor allem, wenn man seitenweises Auswendiglernen nicht gewohnt ist… Na servus,
denkt man sich dann! 200 Sätze in die Fremdsprache zu übersetzen ist für uns blutige
Anfänger im Gebiet der Translation ein gutes Stück Arbeit. Die Aufgabe
innerhalb einer Woche zu erfüllen sorgt für dezenten Zeitdruck. Doch dieselben
Sätze dann auch noch auswendig aufsagen zu können hat uns an den Rand der Verzweiflung
gebracht. Ohne Hilfe hätten wir’s nicht geschafft! Wie? Ich erklär’s euch:
Man gehe auf VK (russisches Facebook), gründe eine
Hausaufgabengruppe (Danke, Eva!), lade sämtliche Freunde ein und bitte
sie um Hilfe. – Die Rechnung ging auf! Innerhalb kürzester Zeit waren alle
Sätze übersetzt und von unseren lieben russischen Mitstudenten korrigiert
worden. Unglaubliche hohe Hilfsbereitschaft! Ich bin sehr dankbar.
Fast wäre es uns zu hart geworden, das Studentenleben! Zu
Beginn, als wir noch nicht wussten, welche Kurse wir besuchen müssen, übernahmen
wir uns ein bisschen. Aus Unwissenheit. Bis wir nachrechneten und feststellten,
dass wir uns bloß die Hälfte all dieser Stunden anrechnen lassen können. Also wurde
erst einmal großzügig der Stundenplan ausgemistet. Danach fingen wir wieder an
zu leben. Einatmen – ausatmen. Ja, das Herz schlägt noch. Und zwar für
Russland.
Wie sieht er nun aus, unser Stundenplan? Klassisch, würde
ich sagen: einerseits Grammatikpaukunterricht, andererseits Kulturvorlesungen.
Dazwischen Übersetzungsübungen in Russisch-Deutsch und Deutsch-Russisch. Passt
gut. Fordernd, aber nicht zu schwer. Und zur Not teilen wir uns die Arbeit. ;-)
Hart sind auch die Bänke, auf denen wir sitzen und
schwitzen. Ja, in den Unterrichtsräumen kann es ganz schön heiß werden! Kein
Wunder, dass die Professoren während des Unterrichts die Türen zum Gang stets
weit geöffnet lassen. Der Lärm von draußen nervt zwar manchmal, aber stört nicht
so sehr wie stickige Luft, die mindestens so schwer ist wie unser Akzent beim
lauten Vorlesen unbekannter Wörter… Ist alles nicht so schlimm. Die Tür bleibt
eben offen, der Lehrer korrigiert dich geduldig oder genervt – je nach Laune –,
die Mitstudenten lachen, gähnen, quatschen in der letzten Reihe und spielen am
Handy. Manches ist überall gleich, in Österreich wie in Russland, in der Schule
wie auf der Uni.
Eher ungewöhnlich: Passkontrollen am Eingang. Tatsächlich
müssen alle Ausländer, so lange sie noch keinen Studentenausweis („studjentscheskij
biljet“) haben, ihre Pässe vorzeigen. Es folgt ein angestrengter Blick des
Gegenübers, das den ausländischen Pass genau begutachtet. Name, Geburtsdatum,
Passnummer werden in ein dickes Buch eingetragen. Es könnte sich vom Aussehen
her um ein Gästebuch handeln. Leider darf ich keine Nettigkeiten, sondern bloß
meine Unterschrift eintragen. Das war’s. Der Nächste, bitte! Mittlerweile trägt
jede von uns schon stolz ein „studjentscheskij biljet“ mit sich, damit geht das
Einlassprozedere schneller: Tür auf, Ausweis zeigen, weitergehen.
Über enge, verwinkelte Gänge schlängelt und drängelt man
sich dann zum Unterrichtsraum (wenn man denn wüsste, wo er ist…), lässt sich
dort auf irgendeinen Stuhl nieder und freut sich, noch vor dem Lehrer
angekommen zu sein, obwohl es schon halb ist. Die Stunde fängt doch um halb an,
oder nicht? Ja, und wo bleibt der Lehrer? Oh, der kommt erst… Frühestens fünf
Minuten nach Unterrichtsbeginn kann man mit dem Eintreffen der Lehrperson
rechnen. Die Russen stehen auf, wenn sie kommt. Die Ausländer nicht. Wie
unhöflich… Peinlich berührt schaut man sich an. Sollen wir aufstehen? Am Ende
bleiben wir sitzen. Es kommt uns komisch vor. Ich denke aber, die Lehrer sind
es von Ausländern gewohnt. Anschließend schaut die Lehrperson (Anmerkung: überwiegend
weiblich, über 35 und mollig) einmal ernst in die Runde, manchmal fragt sie
besorgt, wo denn die oder der … heute geblieben ist und gibt Ratschläge, wie die
oder der … schnell wieder gesundwerden kann (Viel Obst, frisches Gemüse, Tee –
richten Sie ihr oder ihm das aus, bitte!).
Es folgen eineinhalb Stunden Unterricht (das nennen sie „ein
Paar“, weil zweimal 45 Minuten ein Pärchen bilden). Am Tag gibt es maximal
(glaube ich) fünf „Paare“ und das sechsmal in der Woche. Ja, auch am Samstag.
Nicht für uns (was für ein Glück!), aber für die einheimischen Studenten ist
Samstagsunterricht normal. Genauso normal, wie Arbeiten am Sonntag. Sie tun mir
leid…
In den Pausen (zehn oder zwanzig Minuten lang) stürmen viele
in die Mensen, von denen es praktischerweise gleich mehrere im Gebäude gibt. Es
gibt süßes Gebäck, pikante Brötchen, Snacks, Getränke, Mittagessen. Und es ist
recht lecker. So lecker sogar, dass dort nicht nur Menschen mit Genuss speisen…
Blattella germanica heißt eine kleine
Untermieterin in der Mensa rechts vom Haupteingang. Googelt den Namen ruhig,
lieber Leser, falls ihr euch für die hiesige Fauna interessiert! Danach
vergessen wir ganz schnell, was wir gesehen haben, und gehen einen Stock höher
in die größere Mensa. Dort ist es sauber. Und schmackhaft. Es gibt Salat
Olivier und Plow (Pilaw, ein Reisgericht). Hmmm. :)
Nach der Pause noch schnell lernen. Aber wo kann man sich in
Ruhe hinsetzen? Ruhige Lernplätze gibt es auf den ersten Blick keine. Und die
Putzfrau hat uns von der Bank am Gang verjagt. Na gut. Und wohin dann? In die
Mensa geht man nur zum Essen. Erst gestern (18. April) erfahren wir, dass es
einen Lesesaal gibt. Gut zu wissen! Denn dort ist es angenehm still. Den werden
wir jetzt öfter besuchen. Dienstags warten nachmittags immer noch zwei weitere „Paare“
auf uns. Ansonsten fahren wir schon nach einem Pärchen heim. Wie schon gesagt,
der Stundenplan passt gut.
Und daheim? Erstmal was futtern. Ein Powernap zum Verdauen.
Dann geht’s wieder ans Lernen – oder was man halt sonst noch so macht als
Student in Russland. Zum Beispiel Tandemfahren, in einer Warteschlange stehen
oder mal schnell ´ne Reise nach Sotschi planen…

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| Garderoben. Hier ist es üblich seine Jacken abzugeben. |
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| Außergewöhnlich nette und interessierte Lehrpersonen. |
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| Kleine Klassenräume. |
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| Enge Gänge mit gewöhnlich vielen Studenten. |









Einfach super, der Schreibstil ist genial zum Lesen. Weiter so
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