Park "Dreißig Jahre nach dem Sieg"

Wie ihr schon in meinem Post über den Tag des Sieges lesen konntet, ist für Russen das Ende des Zweiten Weltkrieges fester Bestandteil ihrer Kultur. Das ist aber nicht nur an Feiertagen, wie dem Tag des Sieges, ersichtlich, sondern auch an den vielen Parks, Denkmälern und Statuen, die diesem Thema gewidmet wurden und immer noch werden. Der Park des Sieges in Krasnodar ist nur ein Beispiel dafür, wie die Vergangenheit hier bewusst festgehalten und mit der Gegenwart verbunden wird. Der Besuch des Parkes verursachte, genau so wie der Tag des Sieges, interessante Diskussionen darüber, was der Zweck einer solchen Erinnerungskultur ist. Was für uns schon fast eine Verherrlichung des Militärs und seiner zerstörerischen Mittel (Panzer, Waffen etc.) zu sein scheint, wird hier überhaupt nicht als solches wahrgenommen. Viel mehr handle es sich wiederum um ein stolz-sein darauf, wie ihre Vorfahren das Land verteidigten und tapfer ihr Leben für die nächsten Generationen gaben. Eine Sichtweise, die - ganz besonders für uns deutschsprachigen Europäer - eine sehr ungewöhnliche ist. Nur wenige Augenblicke lang - immer dann wenn es mir gelingt meine "Europäische Brille" abzunehmen - trifft mich ein Hauch von Verständnis für diese Denkweise. Denn wenn man sich vor Augen hält, dass die deutschen Truppen in Russland eingefallen sind und somit für das einfache Volk ein Szenario der Übernahme durchaus vorstellbar war, dann versteht man auch, wie man so dankbar dafür sein kann, dass die eigenen Soldaten andere Menschen töteten - denn im Vordergrund steht hier nur der Gedanke "wir wurden nicht übernommen - wir wurden gerettet vom Bösen". Die Kosten des Krieges sind den Russen zwar auch bewusst, doch geraten sie aufgrund der Erleichterung und Dankbarkeit darüber, dass das Schlimmste abgewendet wurde, leicht in den Hintergrund (bei manchen vielleicht sogar in Vergessenheit). Bei solchen Diskussionen wird mir oft gesagt, dass wir den Krieg nur durch die Augen der "Verlierer" sehen - und in der Tat ist mir auch selbst schon oft aufgefallen, dass es einen riesen Unterschied zwischen unserer Sichtweise und der Sichtweise der "Siegerstaaten" gibt. Welche die "Richtige" ist, kann wohl niemand sagen. Doch, was mich anbelangt, bin ich lieber etwas zu wenig stolz und sehe diese Erinnerungskultur lieber etwas zu skeptisch, als andersherum. Denn man darf nie vergessen, dass auch die Art, wie wir uns an Vergangenes erinnern, sehr leicht politisch instrumentalisiert werden kann. Also lieber einmal zu vorsichtig, als einmal zu stolz.







Was mich an dem Park aber trotzdem beeindruckte waren diese coolen alten Autos. :)





Vor dem Besuch des Parks gingen wir noch etwas in der Stadt herum und erst dann spazierten wir entlang der "Набережная" zum Park. Der Straßenname Набережная (Nabereschnaja) heißt übersetzt so etwas wie "Küstenstraße", befindet sich oft aber nicht nur an Meeresküsten, sondern auch entlang von Flüssen. Am Weg zur Набережная kamen wir an einem  kleinen Bauernmarkt vorbei - zumindest sah es anfangs so aus. In Wirklichkeit handelte es sich aber um eine "Jahrmarktsausstellung der volkstümlichen Künstlerbetriebe und des Landwirtschaftstoursimus der Region Krasnodar" (wortwörtlich übersetzt). Kleine Ortschaften (darunter auch kosakische) und Stadtteile Krasnodars wurden hier samt ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse präsentiert.







Kosake

Aber auch andere kulturelle Bestandteile (wie alte volkstümliche Lieder) oder landwirtschaftliche Gebrauchsgegenstände wurden gezeigt.



Und hier ein paar Fotos von unserem Spaziergang zur und entlang der Набережная (hier leben tendenziell die etwas wohlhabenderen Russen).









"Reichenviertel"


Auch wenn, besonders in den Hochhäusern direkt an der Набережная, eher die wohlhabenden Russen leben, so meinte Elena, würde sie diese dennoch nicht als "reich" bezeichnen. Die reichen Russen leben, laut ihr, weder hier noch in Moskau oder Petersburg. Die richtig reichen Russen leben stattdessen in Europa und haben lediglich Zweitwohnsitze in Russland. 









Aber schon wenige Meter entfernt von der Набережная sehen die Häuser wieder ganz anders aus. 


Ein weiterer toller Tag, an dem ich Krasnodar etwas näher kennenlernen durfte. Ein riesengroßes Danke an meine liebe Elena für diesen netten und interessanten Stadtrundgang :).




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